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Atelier auf Zeit

Atelier auf Zeit: Wie Schüler zu richtigen Künstlern werden
von Lothar Wandtner (erschienen im Wochenblatt am 29. Juli 2009)

weiter Bilder gibts im Wochenblatt hier.

Hauptschüler sind dumm und können nichts. Außerdem sind sie in der Schule für nichts zu begeistern. Das zumindest, ist oft zu hören. Dass das alles nicht stimmt, haben Hauptschüler in Riedlhütte vergangene Woche bewiesen. Gemeinsam mit dem schwedischen Künstler Frederik Lindqvist haben sie ein Kunstwerk geschaffen, wie es auch in den Galerien dieser Welt hängen könnte. Drei Tage lang verwandelte sich die Aula in ein Atelier auf Zeit – und die Schülerinnen und Schüler schufen nicht nur ein tolles Kunstwerk, sie waren zudem auch noch mit Feuereifer dabei.Die Idee zu diesem Projekt entstand zufällig: Seit zwei Jahren ist Riedlhütte nur noch Hauptschule. In der früheren Grundschule hängen aber immer noch Arbeiten der Grundschüler an den Wänden. „Wir haben uns überlegt, wie wir das Schulhaus altersgerecht schmücken können“, sagt dazu Fachlehrerin Waltraud Glück-Wandtner. Weil Riedlhütte zudem über eine Ganztagesklasse verfügt, hatte man die Möglichkeit, sich fremde Hilfe ins Haus zu holen. „Wir bekommen vom Freistaat eine großzügige Förderung“, erklärt Konrektor Manfred Gibis.

So konnte die Schule den schwedischen Künstler Lindqvist engagieren, der in Ingolstadt wohnt und sofort von der Idee begeistert war, mit Schülern gemeinsam ein Kunstwerk zu schaffen. Lindqvist arbeitet vor allem mit Linolschnitten, fertigt damit große, bunte Wandbilder an. Seine Werke sind allesamt auf Stoff gedruckt und die einzelnen Motive näht er zu großen Wandbildern zusammen, die oft mehrere Quadratmeter groß sind.

So sollte es auch in Riedlhütte an der Hauptschule sein. Unter dem Thema „Tiere auf freier Wildbahn“ fertigten die Kinder Linolschnitte an – Krokodile, Affen, Ameisen, Schmetterlinge und, und, und… Drei Tage lang druckten sie ihre Motive auf bunte Stoffe, schnitten die Druckwerke aus und nähten das Ganze letztlich zu einem riesigen Wandbild zusammen, das künftig das Treppenhaus im Nebengebäude der Hauptschule (ehemalige Grundschule) zieren wird.

Der Künstler selbst zeigte sich begeistert von der Arbeit: „Ich hätte nie gedacht, dass die Kinder mit so einem Eifer dabei sind“, sagt er gegenüber dem Wochenblatt. Es habe ihm unheimlich Spaß gemacht, zum einen seine Techniken zu vermitteln, zum anderen aber auch zu sehen, wie von den Kindern immer wieder kreative Ideen und Anstöße kamen. Genau das wollte die Schule mit diesem Projekt auch erreichen: „Die Schüler sollen in ihrer Schule zuhause sein“, sagt Konrektor Gibis. „Deshalb mussten wir Teile des Gebäudes auf den Stand der Hauptschüler anpassen. Gut ist es dabei, wenn die Kinder selbst für die Gestaltung sorgen können.“ Ein Schulhaus müsse sich an seinen Schülern orientieren, „denn nur so kommt Leben in die Schule.“

Dass gerade dieses Projekt zudem beweise, welche kreative Energie in den Hauptschülern stecke, auch das konnte eindrucksvoll bewiesen werden. „Die Krux an der Hauptschule ist ja, dass die Schüler oft unterschätzt werden“, so Gibis. „Dabei sind sie ja willig und kreativ und das müssen wir mehr fördern.“ Vor allem Projekte, die außerhalb des Regelunterrichts stattfinden, stoßen bei Schülern auf großes Interesse.

„Die Zeit nach Notenschluss ist für uns ideal, um ein solches Projekt auf die Beine stellen zu können“, sagt deshalb auch Fachlehrerin Glück- Wandtner. „Nur zum Schuljahresende haben wir die Möglichkeit, drei Schultage lang nur an dieser einene Sache zu arbeiten“, sagt sie. Dafür sei sie selbst vom restlichen Unterricht befreit gewesen, ebenso wie die beteiligten Schülerinnen und Schüler. „Es war viel Arbeit, aber es hat sich gelohnt, weil wir alle einen Riesenspaß dabei hatten.“

So will man in Riedlhütte weiter Akzente setzen, wie Konrektor Gibis betont. „Wir müssen zwar aufpassen, dass es nicht zu viel wird, sonst geht der Lernrhythmus verloren.“Doch sehe er die Zukunft der Schule darin, sich immer wieder externe Fachleute zu holen, die den Kindern andere Perspektiven anbieten können. Wenn dabei zum Schluss ein Wandbild von etwa vier Quadratmetern übrig bleibt – dann hat die Schule tatsächlich einen bleibenden Zugewinn.